Prime Game-Changer für DJ-Plattenspieler?

Denon VL12 Prime
Kein großes Wunder, dass der Denon VL12 Prime auch in diesem Jahr auf der NAMM Show ein interessantes Produkt gewesen sein dürfte. Soweit alles nicht aufregend, aufregender war jedoch, ob er denn nun auch auf den Markt kommen würde. Kein Seitenhieb, wenn man kurz daran erinnert, dass der neue DJ-Plattenspieler aus dem Hause Denon DJ bereits 2016 auf der NAMM Show vorgestellt wurde. Ok, doch vielleicht ein kleiner. 2017 stand das Modell dort nämlich erneut, aber auch in dem Jahr sah man das Produkt nicht im Laden. Es dauerte dann bis zu diesem Jahr, bis Denon DJ den VL12 ausliefern konnte.

Passenderweise erreichte mich ein Modell genau nur NAMM Show und somit war die Frage geklärt, ob man bis zur NAMM Show 2019 warten müsste. Die erste Frage ist also schon beantwortet: Man muss nicht länger warten.

Eigentlich könnte es einem ja auch ein wenig egal sein, ist doch der Markt der DJ-Plattenspieler in den letzten Jahren von verschiedenen Modellen ein wenig überschwemmt worden. Updates zu alten Modellen oder Limited-Editions zu Jubiläums-Zwecken. Zumeist steckt hinter diesen Modellen ein OEM-Hersteller.

Das aber ist genau der Punkt, an dem Denon es spannend macht, denn der Denon VL12 Prime soll explizit nicht aus dieser Produktion stammen, sondern ist selbst entwickelt und produziert. „Von Grund auf neu entwickelt“ oder „eigens entwickelte Werkzeuge“, so schreibt Denon DJ in der Produktbeschreibung.

Ganz ehrlich? Ich habe dran gezweifelt und die Aussage für eine Marketing-Maßnahme gehalten. Derweil kann ich meine ersten Zweifel getrost vergessen. Es scheint wirklich kein OEM-Gerät zu sein. Anzeichen dafür sind nirgends zu finden. Bevor das Fazit kommt, ist es sehr interessant, einmal einen genauen Blick auf den Denon VL12 Prime zu werfen.

Die Frage, die ja bisher unbeantwortet im Raum steht ist, „kann der Denon VL12 Prime den beiden bisherigen Modellen der Prime-Serien, dem SC-5000 Prime und dem X1800 Prime, das Wasser reichen?“

Denon VL12 Prime – ein erster Blick

Wohl verpackt in Einzelteilen kommt der Denon VL12 Prime ins Haus geflattert. Letzteres Wort ist eigentlich gelogen, denn der VL12 bringt solide 12,4 kg auf die Waage. Der Zusammenbau gestaltet sich problemlos. Gegengewicht aufschrauben, Plattenteller samt Slipmat auf die Spindel (Achtung, zwei kleine Gummi-Stopper auf der Rückseite wünschen passgenau auf einen Ring gelegt zu werden). Kabel sind alle an Bord, so auch ein Headshell und ein Puck für 7-Inches mit großem Lochkreis.

Denon VL12 Prime

Alles mit an Bord …

Soweit ist der Lieferumfang schon abgearbeitet. Aufgefallen ist beim Zusammenbau schon der massive Plattenteller mit der durchgehend gummierten Unterseite. Dieser bringt alleine bereits 2,1 kg auf die Waage, 700 g mehr als der Plattenteller eines Technics 1210 MK2.

Mitgeliefert werden auch zwei Nadelbeleuchtungen. Aufgesteckt werden diese, wie man es von aktuellen Modellen kennt, auf einen RCA/Cinch-Stecker. Zwei? Ja, man kann wählen zwischen Schwarz und Silber. Die Nadelbeleuchtungen sind aus Metall und bieten weiße LEDs, warmweiß und kaltweiß und dem zufolge auch unterschiedliche Helligkeiten.

Die 12,4 kg Gewicht kommen natürlich nicht von ungefähr. Der Denon VL12 Prime ist ein verdammt massives Gerät.

Die obere Hälfte besteht aus schwarzem gebürsteten Aluminium, verschraubt am Gehäuse, die Unterseite aus einem Carbon-Verbundstoff. Das Gehäuse läuft nach unten hin schräg zu, die Füße sind in abgerundeten Aussparungen untergebracht. Sie bestehen aus Kunststoff und Gummi mit einer Aluminium-Verkleidung und sind natürlich federnd verbaut. Die Federung sitzt allerdings am Gehäuse. Die Füße können über gut 1,5 cm herausgeschraubt werden, um den Plattenspieler auszubalancieren.

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  1. Profilbild
    Rotarier

    Wie sieht es denn beim Punkt „OEM“ aus? Dazu wurde ja nur eingangs kurz etwas gesagt.
    Und wie sind die Gleichlaufschwankungen oder das Ressonanzverhalten?

    • Profilbild
      Bolle RED

      Vermutlich kein OEM, Anzeichen dafür sind keine zu finden. Gleichlaufschwankungen <0,05 %. Resonanzverhalten im Betrieb sehr gut, keine Auffälligkeiten. Füße mit mehr Federweg als Technics, alles andere hängt primär von der Positionierung im Club ab.

  2. Profilbild
    llIIllIlIIIlllIIllI

    Was bedeutet OEM in dem Zusammenhang? Das Teil sieht gut aus! Wenn ich nicht das Glück hätte, meinen Technics 1210er hier stehen zu haben käme der Denon in die nähere Auswahl. Robust, schlicht und ohne sinnlose Features. Schön!

    • Profilbild
      Bolle RED

      OEM bedeutet original equipment manucaturer. Dies wird in vielen Branchen benutzt. Es gibt einen Hersteller von Produkten, der diese nach Kundenwünschen in Aussehen und Funktionsumfang häufig ein wenig baukastenmäßig für eine Firma fertig. Die aktuellen DJ-Plattenspieler stammen z.B. nahezu alle von der Firma Hanpin, entwickelt in Taiwan, produziert in China – auch wenn der Name einer Herstellers im DJ-Bereich auf dem Gerät steht.
      Ebenso kennt man es von Küchengeräten, Kühlschränken oder Waschmaschinen. Selbst bei KFZs steckt ja häufig unter einem Porsche, Audi, VW und Skoda dieselbe Technik.

  3. Profilbild
    djroman@amazona

    Ich habe eine Frage zur Plattentellerbeleuchtung auf der rechen Seite. Da der Plattenteller keine verschieden großen Punkte am Rand hat, sondern nur Striche, kann man hier keine Geschwindigkeiten ablesen, oder sehe ich das falsch?
    Also hat diese Beleuchtung keine Funktion und muss auch keine Strobe-LED sein.

    • Profilbild
      Bolle RED

      Hi Roman,

      ja, genau, die Striche haben die selbe Funktion wie die kleinen Punkte. Bei Wechsel von 33 zu 45 RPM ändert sich auch das „Licht“, aka die LEDs die Frequenz. Stehende Strich signaliseren dann die 0 % Pitch-Position.

  4. Profilbild
    Michael S.

    Vielen Dank für den Test, Bolle. Ich verschlinge die TTL-Test begierig und warte auf einen gleichwertigen Technics-Ersatz was die Clubtauglichkeit betrifft. Und da scheint es bei allen Anwärtern die Schwäche Resonanz-Verhalten, oder besser Feedback-Verhalten zu geben, oder zumindest sind kaum aufschlussreiche Infos zu finden. Insofern würde mich brennend ein entsprechender Test interresieren (Nadel auf Platte legen, Verstärker/-ung langsam hochfahren, u.U. auf TTL-Geäuse klopfen). Im Netz gab es mal einen aufsschlussreichen, aber leider gelöschten Test, in dem der Pioneer-TTL kläglich gegen den Technics versagt hat. Letzterer gab einfach keinen Mucks von sich, auch nicht nach Anklopfen. Der Pioneer dagegen brüllte mit 90Hz, glaube ich, los. Ich selbst hatte den Test mit meinen Numark-TTX durchgeführt: Feedback bei unangenehmen 80Hz, was ich auch im parktischen Einsatz schmerzlich nachvollziehen konnte, trotz schwerem gummiertem Teller und Gehäuse -> clubuntauglich. Sicher kommt es auf viele Dinge, wie z.B. den Abstand/Position der Abhören an. Aber wenn den Vergleich mal Einer durchziehen könnte, mit immer gleichem Versuchsaufbau und mit allen relevanten TTL-Anwärtern, wär das aus meiner Sicht ein riesiger Info-Gewinn.

    • Profilbild
      Bolle RED

      Hi Michael, was ich dir sagen kannst ist, dass es hier keine Auffälligeiten gab. Der Technics ist da tatsächlich weit vorn und es kommt erst zur Übertragung auf den Toarm bei starkem Klopfen und dann im tieffrequenten Bereich. Negativ aufgefallen ist es mir beim Stanton ST-150 M2 oder STR-8M2. Der resonierte massiv auf der durch die Metalloberfläche.
      Dazu gibt es glaube ich auch Soundbeispiele im Test..

      Ich hab den VL12 leider nicht mehr hier, sollte sich das aber ändern, mach ich Aufnahmen und gebe dir eine Info! Resonanzen gab es meiner Erinnerung nach keine, das wäre mir aufgefallen. Ob er natürlich so dermaßen „übertragungsfrei“ wie der Technics ist, weiß ich nicht mehr genau, da müsste man tatsächlich mal gegen messen mit einem relativ gleichen Versuchsaufbau.
      Sagen wir: Bierflasche aus 30 cm :)
      Ok, das vielleicht nicht, aber versprochen, wenn ich den noch einmal hier habe, liefere ich das nach.

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