Filter und Chorus mit Biss

Erica Synths Acidbox III

Erica Synths Acidbox III

Erica Synths Acidbox III (Filter) und Fusionbox (Delay) sind zwei Effektgeräte der lettischen Analog-Schmiede ERICA Synths. Und wie man es sich von dieser Firma gewohnt ist, ist hier einiges anders als bei der Konkurrenz.

Äußere Werte

Beide Effektgeräte sind solide verarbeitet mit den selben Außenmaßen (185 x 140 x 55 Millimeter) und Gewicht, das mit 700 Gramm eher auf der leichten Seite liegt. Die großen und griffigen Potis bieten einen angenehmen Drehwiderstand, die Schalter rasten gut ein und die LEDs sind in ihrer Helligkeit gut abgestimmt. Nicht zu hell und nicht zu dunkel. Das Design würde ich mit “edlem Industrielook” umschreiben und ohne allzu stark in Clichés abzugleiten, sieht man den beiden Kistchen ihre Herkunft aus der ehemaligen Sowjetunion an.

An Anschlüssen finden sich nebst den obligaten Audioein- und Augängen auch jeweils eine Controller-Buchse zwecks externer Steuerung eines Parameters. Die Stromversorgung erfolgt über mitgelieferte 12 Volt Netzteile, praktischerweise mit einem Satz internationaler Stecker versehen. Im Vergleich zur Konkurrenz bewegt man sich in Sachen Anschlüssen im normalen Mittelfeld. Einzig die Firma Moog hebt sich deutlich ab, indem sie ihren Pedalen CV-Eingänge für sämtliche Parameter spendieren, was sich natürlich auch im Preis niederschlägt.

Erica Synth Acidbox & Fusionbox

Übrigens sind die Erica Effektgeräte explizit für den Gebrauch auf dem Tisch gedacht, einen Fußschalter sucht man vergeblich. In meinen Augen ist dies nichts als konsequent: Meine Moogerfooger Bodentreter liegen auch stets griffbereit neben den Synthesizern. Den Bypass-Fußschalter betätige ich jeweils mit dem Handballen. Da ist der Bypass-Schalter der Ericas doch etwas angenehmer und wer möchte, kann über die Controller-Buchse einen Fußschalter anschließen.

Erica Synths Acidbox III

Bei der Erica Synths Acidbox III handelt es sich um ein spannungsgesteuertes Filter mit zwei Charakteristiken (Tiefpass und Bandpass), basierend auf den Schaltungen des Polyvoks, samt eigenem LFO und Hüllkurvenverfolger (Envelope Follower). Dies ist bereits die dritte Version dieses Pedals und die erste, die vollständig in Stereo konzipiert ist. Eigentlich haben wir es mit zwei baugleichen Filtern zu tun, die indes nicht einzeln steuerbar sind.

Steckbrief Erica Synths Acidbox III
  • Filtercharakteristik: 24 dB Tiefpass oder 12 dB Bandpass
  • LFO-Schwingungsformen: Dreieck, Sägezahn, Rechteck, Zufall (in Stufen und geglättet).
  • stufenlose Überblendung zwischen den Schwingungsformen
  • LFO-Frequenz über Tap-Tempo steuerbar
  • Hüllkurvenverfolger (Envelope Follower)
  • Stereoein- und Ausgänge
  • Control-In-Buchse für eine der folgenden Funktionen:
    • einzelner Fußschalter on/off
    • doppelter Fußschalter und Tap-Tempo
    • Trigger- und Gate-In für LFO-Sync
    • CV-In für den Cutoff-Regler
    • Cutoff-CV und LFO-Sync
    • Expression-Pedal Roland-kompatibel
    • Expression-Pedal KORG-kompatibel

Einstecken und loslegen

Beginnen wir an der Erica Synths Acidbox III mal mit einem klassischen Auto-Wah-Sound: Ein Clavinet – mangels Original in meinem Studio wollen wir uns mit einer digitalen Variante aus dem Nord Stage begnügen – wird in der Acidbox gefiltert, wobei der Hüllkurvenverfolger die Cutoff-Frequenz steuert. Das Filter folgt somit der Lautstärke, durch den Anschlag bzw. die Anschlagsdynamik lässt sich das Filter öffnen. Die Resonanz ist halb aufgedreht.

Klingt ja schon mal ganz schön, wobei ich mir den Ausschlag des Hüllkurvenverfolgers stärker gewünscht hätte. Der Parameter ist zwar voll aufgedreht, trotzdem ändert sich die Cutoff-Frequenz nur in einem kleinen Bereich. Der Grund dafür ist, dass der Hüllkurvenverfolger das Signal erst nach dem Eingangsverstärker abgreift. Zumindest ist dies mein Eindruck nach ausgedehnten Testreihen. “Kein Problem, dann geben wir einfach etwas mehr Gain!” Klingt einfacher als es ist, da die eingebaute Vorstufe ziemlich schnell beginnt zu verzerren. Eine sehr schöne Verzerrung wohl gemerkt und dennoch nicht immer erwünscht. Kurz gesagt: wenn die Spannung der Hüllkurve hoch genug ist, um das Filter dynamisch zu spielen, bewegen wir uns schon längst im Bereich der Verzerrungen.

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Klangbeispiele

  1. Profilbild
    • Profilbild
      digital-synthologie AHU

      Wird dir das nicht langsam langweilig, das unter jedes Gerät, das nicht unter 100 Euro kostet, zu schreiben?
      Ums mal mit einem abgewandelten Werbespruch zu umschreiben:
      Ist dir’s zu teuer, bist du zu arm.

      • Profilbild
        amazonaman AHU

        Stimmt was du sagst. Ich dachte mir noch, mensch man kann doch nicht immer das gleiche schreiben. Manchmal wundern mich die Preisaufrufe dennoch, und ja dann kommt es wieder über mich. So gibt es preiswertes von großen Firmen und oft erstaunlich von der kleinen Quetsche auch. Ich bin kein BWL Fuzzi und kenne mich nur mit dem aus was hinten raus kommt. Und da gibt oft es sehr unterschiedliches. Es gibt sehr gelungene günstige Produkte und gelungene teure Sachen und auch weniger gelungene. Am meisten hab ich mich über die Dinge geärgert die viel gekostet haben und dann nix waren! Manche Sachen sind mit eingebauten Zeitbomben versehen die müssen nach 2 Jahren kaputt gehen, und Garantie? Nutzt nichts wenn man selbst schuld war und mit dem Fuss auf dem Poti seiner Tretmine gelandet ist und dieser nicht mehr funktioniert. Dann heißt es eben, man darf da net drauf treten. Insgesamt sind die Sachen im Zuhause Studio sehr lange Haltbar, jedoch sobald man on Stage geht wird es grundsätzlich sehr gefährlich.
        Die Erica Sachen sind sehr speziell und für den Freak auf jeden Fall geeignet, egal was das kostet!

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          Martin Andersson RED

          Was die Haltbarkeit der Geräte betrifft, so hätte ich bei den Erica Geräten keine Bedenken, dass sie nicht lange bzw. sehr lange halten werden. Die Geräte machen einen sehr soliden Eindruck geben bestimmt nicht nach ein paar Jahren den Geist auf.

  2. Profilbild
    Martin Andersson RED

    Ich halte die Preise für angemessen. Welche vergleichbaren Geräte kosten denn wesentlich weniger (bei ähnlicher Komplexität und Funktionen?) Ausserdem sollte jedem klar sein, dass es sich hierbei um eine Kleinfirma mit geringen Produktionskapazitäten handelt. Ein Vergleich mit Massenprodukten von Boss, TC, Behringer etc. ist nur bedingt möglich.

  3. Profilbild
    Son of MooG AHU

    Wenn ich so viel Geld für solche Geräte ausgeben wollte, würde ich doch eher die von Moog vorziehen. Der Sound sagt mir mehr zu, und auch das Verhalten bei unterschiedlichen Pegeln. OK, sie sind in Mono, aber die Stereophonie der Acidbox wurde ja auch nicht konsequent ausgeführt. Mit dem MF-101 hat man den klassischen Moog-Filtersound, während die Acidbox eben ihrem Namen gerecht wird und somit nicht für alle Fälle geeignet ist. Die Fusionbox als Eurorack-Modul wäre mir noch eine Überlegung wert…

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