Musikerkabel - ein langweiliges Thema?

Kabel KnowHow

Was wäre eine Welt ohne Kabel? Diese Frage ist nicht so schnell zu beantworten. Man bedenke nur, wo überall Kabel als elektrische Energieleiter oder zur Übertragung von Daten zum Einsatz kommen. Kabel spielen auch als Verbindungselemente im musikalischen Bereich eine entscheidende Rolle. Sei es zur Übertragung von Signalen oder auch hier immer mehr zur Übertragung von Daten. Vom Instrument zum Verstärker, vom Mikrofon zum Mischpult, von der Endstufe zum Lautsprecher, zum Anschluss von Zusatzgeräten oder zur Übertragung von DMX-Steuersignalen – um nur wenige von zahlreichen Möglichkeiten zu nennen.

Wir widmen uns hier den vier am häufigsten anzutreffenden Kabelformen: Mikrofonkabel, Instrumentenkabel, Lautsprecherkabel und Kabel zur Übertragung von Signalen auf Line-Level. In der Vergangenheit haben wir uns bei Amazona.de bereits schon näher mit Produkten der Marke Cordial befasst. Über die Links im Text kommt ihr zu den entsprechenden Testberichten. Aber auch ganz neue Testreihen stehen an, die einige Angebote der Marke Sommer Cable untersuchen. In zwei Testberichten (für Studio und Bühne, beide Tests unter Stage zu finden) präsentieren wir hier schon bald die Ergebnisse.

Viele Mythen ranken sich um das Thema Kabel. Die Angebotspalette an konfektionierten Lösungen reicht von Fernost-Importen zu Schnäppchenpreisen bis hin zu High End-Kabeln mit allerhand „Voodoo“. Ganz sicher sind es aber auch Kriterien wie Zuverlässigkeit, Flexibilität, Robustheit, Qualität und Zugfestigkeit der Stecker („viel bringt viel“), die es zu beachten gilt, wenn man sich auf die Suche nach den passenden Strippen macht.

 

Woraus besteht ein „normales“ Kabel?

Grundsätzlich betrachtet ist ein Kabel nicht anderes als ein mit Isolierstoffen ummantelter ein- oder mehradriger Verbund von Adern (Einzelleitungen). Das können elektrische Leiter sein oder auch Lichtwellenleiter. An den Enden sitzen bei fertig konfektionierten Kabeln die Steckverbinder. Rein äußerlich betrachtet sind es also die Stecker und der Mantel – die Umhüllung – die ins Auge fallen.

Unterschiedliche Farben schaffen Orientierung

Unterschiedliche Farben schaffen Orientierung

 

Als Isolierstoffe beim Kabelmantel kommen unterschiedliche Kunststoffe zum Einsatz, die die als Leitern genutzten Adern umgeben und gegeneinander isolieren. Der Kabelmantel wird am meisten belastet, weil er mechanischen wie Umwelteinflüssen (Regen, Kälte, Sonne, Schnee …) gleichermaßen ausgesetzt ist. Häufig wird hier bei der Materialauswahl PVC (Polyvinylchlorid) eingesetzt. Doch auch andere Materialien wie PE (Polyethylen) oder PUR (Polyurethan) kommen zum Einsatz. Aus rein optischen Gründen können die Kunststoffe des Mantels auch noch mit geflochtener Gewebeoptik überzogen sein, was dann unter der Bezeichnung Vintage Style angeboten wird, oder sie sind in bunten Farben eingefärbt.

Vintage Mikrofonkabel

Mikrofonkabel im Vintage-Look

 

Optimalerweise werden in das Kabel als Zugentlastung Gewebebänder eingearbeitet. Denn die mechanischen Belastungen auf Kabel sind besonders beim roadtauglichen Einsatz mitunter sehr hoch. Da wird auf Gitarren-, Mikrofon- und Lautsprecherkabeln heftig rumgetrampelt. Sie werden mit rollbaren Cases überfahren oder müssen noch ganz andere Strapazen wegstecken. Mikrofonkabel sind zudem nicht selten ständigen Bewegungen ausgesetzt. Und am Ende der Show werden die Kabel oft extrem zusammengerollt und warten in engen Schleifen mit Klettband zusammengehalten auf den nächsten Einsatz.

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    Franz Walsch AHU

    Vielen Dank für den guten Bericht und gerne mehr davon. So richtig nutzen nur Goldkontakte auf Goldkontakte, aber es gibt fast keine Geräte mit goldigen Eingängen. Ich habe die leidliche Erfahrung mit Cordial gemacht, das die Gold-Beschichtung im Laufe nur eines Jahres bei ca. zweimal am Tag aus- und angesteckt weg ist. Dabei trifft Gold auf Metall, was möglicherweise der Grund dafür ist. Auch sind mir schon Miniklinkenhüsen ohne Gewaltanwendung gebrochen. Ganz wichtig sind hochwertige Stecker! Ein Sonderangebotskabel blieb bei mir im Tascam DR-40 stecken und ich konnte es erst durch erheblichen Kraftaufwand wieder lösen. Seither benutze ich nur noch Neutrik-Stecker. Eine Nachfrage bei »T« brachte die Erkenntnis, das viele Hersteller es nicht so genau mit den Toleranzen nehmen. Sommercable empfiehlt auch ausschliesslich 4%tiges Silberlot (Halogen- & Bleifrei) zum Kabelbau. Dies wird immer dann nötig, wenn man kurze Kabel braucht. Auch Stereokabel gibt es nicht in großer Auswahl. Geld spart man damit meist nicht, aber so hat man immer das passende Kabel. Ein Kabeltester ist auch ein »muss have«. Kabel bewahre ich in Reissverschlussbeuteln (in 6 Größen lieferbar) von Modulor auf.

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    Franz Walsch AHU

    Von Neutrik gibt es auch Codierringe. Sie stellen eine sehr praxisnahe Möglichkeit dar Kabel nach Farben zu sortieren und zu kennzeichnen. In Verbindung mit den auch erhältlichen farbigen Tüllen (Neutrik BXX) sind 100 Variationen möglich. Um den Ring zu tauschen braucht man nicht die Verlötung lösen. Ferner gibt es noch sechs farbige Einbauschutzgummirahmen (Neutrik SCDP). Ausserdem gibt es Neutrik Dummy Plugs um Ein- und Ausgänge zu schützen.

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    schammi

    Sehr guter Bericht und überhaupt kein langweiliges sonder ein wichtiges Thema. Für meine Bandkollegen muss ein Kabel vor allem eines sein – billig. Danke für die „Munition“ mit der ich dieser Einstellung nun entgegentreten kann.

    Als unser Band-Techniker hasse ich das in Musikerkreisen so beliebte Gaffa-Tape. Wer schon mal Stunden damit verbracht hat mit Cuttermesser und Aceton die Klebereste von Kabeln und Geräten zu entfernen wird mir da wohl zustimmen.

    Ordentliche Kabel und Geräte sind mindestens so wichtig wie ordentlich gewartete Musikinstrumente.

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    Bernd Pfeffer RED

    Toller Bericht ! Noch eine kleine Anmerkung zur Kabelkapazität. Einen viel grösseren Einfluss als im Bericht angedeutet hat die Eingangs, bzw. Ausgangs-Impedanz an die es angeschlossen wird. Bei häufigen Impedanzwerten von 600 Ohm im Studiobetrieb erzeugt ein 10 Meter langes Kabel mit 200pF/Meter einen Höhenabfall von 3 dB bei 132 kHz, also deutlich im nicht hörbaren HF Bereich. Bei einer Verwendung genau dieses Kabels an einem Hi-Z Eingang liegt diese Höhenbedämpfung dann bereits bei 8 kHz, also im deutlich hörbaren Bereich.

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